Knick in mein Idealbild Montréal

By cankat

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, fühle ich mich ja sehr wohl in dieser Stadt. Ich liebe die vielen kleinen Boutiquen, Bars und Restaurants, die freundlichen Leute hier, die schönen Parks (da habe ich ja einen großen gleich um die Ecke) und das kulturelle Angebot, ganz besonders von musikalischen Events. Und ich fühle mich auch sehr sicher hier. Natürlich weiß ich, dass ich mich spätabends nicht mehr in bestimmten Gegenden alleine herumtreiben soll, oder dass ich ein Fahrrad hier dreimal absperren müsste, weil Fahrradklauen in Montréal für viele leider schon zum Hobby geworden ist. Aber ich habe ja kein Fahrrad und anständig wie ich bin, treibe ich mich auch nicht in komischen Gegenden herum. Auf jeden Fall hatte ich auch noch nie ein ungutes Gefühl, wenn ich nach dem Fortgehen alleine zur Wohnung gegangen bin, da die Straßen meines Heimweges sehr hell beleuchtet sind und falls man mal Leute antrifft, diese entweder herumliegen oder sonst auch auf dem Heimweg sind und somit einem in Ruhe lassen. Naja, seit gestern Abend hat sich leider mein schönes Bild von einem harmonischen und sicheren Montréal etwas verändert. Hinweis vorab: Nein, mir ist Gott sei Dank nichts passiert!!!

Gestern (Samstag) bin ich am Abend natürlich wieder etwas fortgegangen. Ich habe Freunde von mir, übrigens die, in deren WG ich fast eingezogen wäre, getroffen und bin mit ihnen in die Straße St. Laurent gegangen, wo man besonders abends seeeehr viele Leute antrifft. Ehrlich gesagt, war die ganze Straße voll und jede einzelne der unzähligen Bars an St. Laurent war auch voll. Normalerweise gehen hier immer viele Leute fort, aber gestern war auch irgendetwas Besonderes. Wir haben dann eben ein paar Bars besucht, ein paar Getränke getrunken, etwas getanzt, haben Leute getroffen und mit ihnen gequatscht und hatten einfach Spaß. Um 3:15 machten in St. Laurent auch die letzten Bars zu und weil wir aber immer noch etwas durstig waren, beschlossen wir einfach in die Wohnung meiner Freunde zu gehen, damit wir uns dort noch auf ein oder zwei Getränke zusammensitzen.

Als wir dann bei dieser Wohnung ankamen, war zu Beginn alles normal. Khalid wollte dann etwas Musik machen und plötzlich bemerkte er, dass ein Laptop nicht mehr da ist und ein zweiter Laptop ist auch verschwunden. Zuerst begreift man gar nicht, oder will man es nicht begreifen, was da eigentlich los ist, aber schließlich realisiert man, dass jemand in der Wohnung war und zwei Laptops mitgehen hat lassen. Sonst war alles unberüht: Der dritte Laptop war noch da, weil er in einem anderen Raum war, wo die Tür geschlossen war und an E-Gitarren, Stereoanlagen oder Sonstiges (eine Geldbörse lag gleich in der Nähe der Laptops) waren die Diebe nicht interessiert.

Die Haustüre war natürlich zugesperrt und alle Fenster waren geschlossen. Die Wohnung befindet sich im Erdgeschoss und hat einen kleinen Hintergarten, der in den Hof der Wohnanlage führt. Dieser Hintergarten ist von einem Zaun umgeben und hinter dem Zaun befindet sich ein Urwald, weil keiner die Hecken und Büsche schneidet. Die Tür in den Hintergarten wird normalerweise auch immer zugesperrt, nur an diesem Abend haben sie es vergesssen und so kamen die Diebe (oder der Dieb) in die Wohnung.

Natürlich waren wir gestern Abend alle sehr geschockt und das Fortsetzen unserer Party ist uns auch vergangen. Ich wollte dann auch einfach nur mehr heimgehen. Als ich dann in der Wohnung war, war ich richtig glücklich als ich meinen kleinen Laptop wieder in den Arm nehmen konnte.

In meiner WG hatten wir übrigens nur einen Tag davor eine kleine Besprechung über Sachen, die jeder wissen und beachten sollte. Es wurde unter anderem darüber geredet, dass unsere Balkontür immer zugesperrt sein sollte und welche Fenster immer offen sein können und welche wir immer schließen sollten. Wir wohnen übrigens im 2. Stock und von unserem Balkon führt eine Nottreppe hinunter zu dem Hinterhof, der wiederum von einem hohen Zaun umgeben ist. Bei dieser Besprechung habe ich mich noch gefragt – da hatte ich ja noch mein Idealbild – warum sie so paranoid sind, das würd sich eh keiner antun, über den Zaun zu springen und die Nottreppe, die nie jemand benützt, hochzuklettern bzw. sieht man es auch von unten nicht, ob die Tür zugesperrt ist oder nicht. Mittlerweile denke ich auch schon anders darüber.

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4 Antworten zu „Knick in mein Idealbild Montréal“

  1. saxx sagt:

    Im guten alten Mühlviertel (Urfahr) gäbs das nicht!

    Hauptsach, dir ist nix passiert; hätt mich fast vor lauter Sorgen nicht fertiglesen getraut nach den ersten Sätzen!

  2. Fabian sagt:

    boah, wie du anfängst zu schreiben – wie wenn dich jemand überfallen hat oder so -> kathi kathi, schreib nicht so!

  3. christoph sagt:

    spooky!

  4. Tom sagt:

    Ja so bleibt das Leben immer schön aufregend. Du kannst ja notfalls deine Zimmertüre auch noch zusperren :) .

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